PPS-GF oder PPS-CF: Vorrichtungen freigeben

Bei PPS-GF oder PPS-CF entscheidet die Aufgabe der Vorrichtung: Kontaktmedium, elektrische Funktion sowie Wärme und Last im Zusammenspiel. Die Materialbezeichnung ist keine Freigabespezifikation. Dieser WJ-Leitfaden trennt veröffentlichte Referenzdaten vom noch erforderlichen Nachweis am Bauteil.

Konzeptskizze mit getrennten chemischen, elektrischen und thermischen Prüfungen; kein geprüftes Muster.
Konzeptskizze mit getrennten chemischen, elektrischen und thermischen Prüfungen; kein geprüftes Muster.

Kurzantwort für Einkäufer

WJ veröffentlicht getrennte technische Referenzen für PPS-GF und PPS-CF. Typische mechanische Werte helfen bei der Vorauswahl, belegen aber weder chemische Eignung noch Durchschlagfestigkeit oder Dauereinsatztemperatur. Medium und Exposition, elektrische Funktion, Last, Geometrie, Druckrichtung und Nachbehandlung festlegen; anschließend genaue Sorte und repräsentatives Druckteil qualifizieren. Keine neuen WJ-Prüfergebnisse werden vorgelegt.

1. Aufgabe der Vorrichtung festlegen

Auflageflächen, Befestigung, zulässige Bewegung und Fehlerkriterien beschreiben. Medium oder Gemisch, Konzentration, Temperatur, Dauer und Reinigung erfassen; gleichzeitige Last angeben. Isolation oder Ableitfähigkeit separat spezifizieren. Eine warme Prüflehre und eine eingetauchte Prozessvorrichtung benötigen unterschiedliche Freigaben.

2. WJ-Daten mit Bedingungen vergleichen

PPS-GF- und PPS-CF-Referenzen: V1.0 vom 1. August 2026. Tabellenwerte sind typische Referenzen, keine Mindestwerte, Chargenmessungen oder zulässigen Auslegungsspannungen. Biegemodul nach ISO 178 und Biegefestigkeit sind verschieden. Nur gleiche Orientierung und Konditionierung vergleichen; Verfahren, Probekörper sowie angegebene ISO-291-Bedingungen dokumentieren.

WJ-Referenzen und vorgeschlagene Prüfvorlage; keine neuen Leistungsmessungen.
Referenz / VerfahrenWJ PPS-GFWJ PPS-CF
Biegemodul X-Y · ISO 178 · MPa24383612
Biegemodul Z · ISO 178 · MPa19402870
HDT · veröffentlichte TabelleN/AN/A
Sortenspezifische DurchschlagfestigkeitIn dieser Referenz nicht angegebenIn dieser Referenz nicht angegeben
Anwendungsbezogene ImmersionsdatenIn dieser Referenz nicht angegebenIn dieser Referenz nicht angegeben

3. Fehlende Nachweise offenhalten

HDT, Schmelz- und Vicat-Werte sind in den veröffentlichten Tabellen N/A. Das bedeutet weder null noch eine bestätigte Grenze. Sortenspezifische Immersions- und Durchschlagfestigkeitsdaten fehlen in diesen Referenzen. Keine Fremdmarkenwerte einsetzen. Höherer Referenzmodul belegt nicht automatisch bessere Chemikalienbeständigkeit, Isolation oder Dauerleistung unter Wärmelast.

4. Chemischen Kontakt qualifizieren

Mit qualifiziertem Prüfdienst Proben, Kontrollen, Exposition und Annahmekriterien vereinbaren. ISO 175 behandelt Immersion ohne äußere Einspannung; eine belastete Baugruppe ist damit nicht automatisch freigegeben. Masse, Maße, Oberfläche und gewählte Eigenschaft vorher/nachher erfassen. Eine allgemeine PPS-Tabelle ist nur Vorauswahlhilfe für das genaue Medium und seine Bedingungen.

5. Elektrische Funktion getrennt prüfen

GF und CF bezeichnen Verstärkungsfamilien, keine elektrische Bauteilklasse. Weder Isolation noch ESD allein aus dem Namen ableiten. Messgröße und Verfahren festlegen: Kurzzeit-Durchschlagfestigkeit, Oberflächen- und Volumenwiderstand sind unterschiedliche Nachweise. IEC 60243-1 behandelt die Kurzzeitprüfung, keine vollständige Baugruppenfreigabe. Dicke, Druckrichtung, Konditionierung und Verunreinigung fachgerecht berücksichtigen.

6. Wärme und Last gemeinsam bewerten

Bauteiltemperatur, Spitzen, Dauer, Klemmkraft und zulässige Verformung erfassen. ISO-75-Werte hängen vom Verfahren ab und sagen keine Langzeit-Einsatzleistung voraus. Düsen- oder Tempertemperatur ist keine Einsatzgrenze. Sortenspezifische Anlagen-, Konditionierungs- und Nachbehandlungsvorgaben bestätigen; Maße vor/nach Behandlung und eine Vorrichtung im vereinbarten Last-/Expositionszyklus prüfen.

7. Rückverfolgbare Freigabe dokumentieren

Vergleichbare Proben und repräsentative Vorrichtung aus identifiziertem Material herstellen. Bei Bedarf unbelastete beziehungsweise nicht exponierte Referenz aufbewahren. Einzelfaktoren variieren oder gekoppelte Änderungen aufzeichnen. Prüfplan, Kriterien, Ergebnis und Status erfassen. Ohne gültige Messung bleibt ein Punkt offen; gute Optik ersetzt keinen Nachweis.

Chemische, elektrische und thermische Abnahmekriterien getrennt festlegen.
FreigabepunktProtokoll und Annahmenachweis
ChemieMedium/Konzentration/Temperatur/Zeit; Kontrolle; Vorher/Nachher; Kriterien und Status
ElektrikFunktion/Verfahren; Dicke/Richtung/Konditionierung; Ergebnis und Freigabe
Wärme und LastBauteiltemperatur, Last, Dauer/Zyklen; zulässige Verformung und Ergebnis
Maße und ProzessCAD/Messwerte; Richtung/Profil; Nachbehandlung und Montage
Freigabe und ÄnderungSorte/Farbe/Charge, Dokument-/Zeichnungsstand; Prüfer, Datum, offene Punkte und Nachprüfung

8. Eine Konfiguration freigeben

WJ Sorte/SKU, Farbe, Charge, Zeichnungsstand, Drucker/Düse, Profil, Konditionierung, Nachbehandlung und Prüfanforderungen mit Referenzmuster nennen. Dokumente und Musterplan vor Produktionsfreigabe bestätigen. Bei Material-, Prozess-, Geometrie- oder Expositionsänderung betroffene Prüfungen wiederholen. Keine universelle Chemikalienfreigabe, elektrische Zertifizierung oder Bauteil-Einsatztemperatur wird zugesagt.

Einkaufshinweise

MaterialWJ Sorte/SKU, Farbe, Charge, Zeichnungsstand, Drucker/Düse, Profil, Konditionierung, Nachbehandlung und Prüfanforderungen mit Referenzmuster nennen
AnwendungAuflageflächen, Befestigung, zulässige Bewegung und Fehlerkriterien beschreiben
ProzessBauteiltemperatur, Spitzen, Dauer, Klemmkraft und zulässige Verformung erfassen
FreigabeChemische, elektrische und thermische Abnahmekriterien getrennt festlegen.

Referenzen und weitere Informationen